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Lissabon war eine der unsichtbaren Städte, erdacht von Italo Calvino : eine weiße Stadt am Meer, gleichzeitig umgeben von smaragdgrünem Flusswasser, Ort der Träume und der Poesie, eine träge, friedvolle und doch berauschende Stadt, wo man mehr durch Zeit, als durch Raum streift. Das war bevor die Schattenseiten des Massentourismus anfingen die Stadt zu prägen, ihr Gleichgewicht zu stören, ihren feinen Charme zu beschmutzen und sich immer mehr überall einzumischen. Daher möchten die Einwohnerinnen und Einwohner Lissabons den Touristinnen und Touristen sowie den lokalen Behörden mitteilen, was Lissabon nicht gefällt und hoffen inständig, dass Veränderungen von ihnen kommen.

Go-car
Go-car

GO-car

Hybridfahrzeuge, die alle nur erdenklichen Mängel aufweisen.

Ärgernisse für Einwohner

  • Doppelte Lärmbelästigung: angetrieben von einem kleinen Mopedmotor, der ständig auf Hochtouren läuft, kommen von einer Roboterstimme regelmäßig banale Infos über die Stadt.
  • Extrem umweltbelastend durch diesen Motor.
  • Eine der ungehemmtesten Attraktionen, da sich die Fahrer wie in Disneyland fühlen und dementsprechend rumbrüllen – noch viel lauter in Gruppen.

Unannehmlichkeiten für Touristen

  • Sehr unbequem: das Kopfsteinpflaster der Straßen sorgt für ständige Schläge.
  • Gefährlich: auf physischer und gesundheitlicher Ebene. Man befindet sich auf selber Höhe wie die Stoßstangen von Autos und atmet die Abgase ein.

Vorschlag

  • Lissabon zu Fuß entdecken.
Segway
Segway

Segway

Oft als umweltfreundliche Lösung zur Verkehrsreduktion in Stadtzentren vermarktet, ist dieses Gerät nicht nur nutzlos, sondern auch lächerlich.

Ärgernisse für Einwohner

  • Unangenehm für Menschen auf den Gehsteigen, die den Segways ausweichen müssen, da diese auch in den Straßen ohne Autoverkehr unterwegs sind.
  • Gefährlich für Fußgänger wie Benutzer. Letztere können die Geräte auf unterschiedlichem Untergrund oft nicht kontrollieren (Kopfsteinpflaster) und sind mehr damit beschäftigt, sich die Sehenswürdigkeiten anzusehen. Die zehnminütige Einschulung am Platz Praça do Comercio reicht bei weitem nicht aus. Zu bedenken ist auch, dass der Erfinder dieses Geräts bei einem Unfall mit einem Segway starb.

Unannehmlichkeiten für Touristen

  • Unbequem: Da man leicht runterfällt, ist es schwer, sich auf den Tourguide und seine Balance gleichzeitig zu konzentrieren.
  • Limitierend: Obwohl die Geräte futuristisch wirken, kann man mit ihnen keine Treppen überwinden und sieht die schönsten Plätze der Stadt somit nicht.
  • Unter allen Fortbewegungsmitteln sieht man auf diesem wohl am dämlichsten aus.

Vorschlag

  • Zu Fuß gehen.
Tuk-tuk
Tuk-tuk

Spritbetriebene Tuk-Tuks

Bis vor wenigen Jahren unbekannt, fluten diese Fahrzeuge die Stadt, sodass sogar die Behörden nicht mehr wissen, wie viele es davon gibt. Es wird von 200 bis 300 Tuk-Tuks ausgegangen, die auf der Suche nach Fahrgästen durch die Straßen der Altstadt rattern.

Ärgernisse für Einwohner

  • Sehr laut: durch die ständige Beschleunigung bergauf.
  • Umweltschädlich: der kleine Motor von schlechter Qualität verseucht die Umwelt.
  • Tuk-Tuks verstellen oft die Straßen und Aussichtspunkte, da sich dort viele potenzielle Kunden aufhalten.
  • Ungehemmte Aktivität für manche Touristen, die von den Fahrern angestachelt werden, sich wie am Rummelplatz zu fühlen und rumzuschreien.
  • Tuk-Tuks sind in Asien typisch und sollten Portugal nicht seinen Charme nehmen.

Unannehmlichkeiten für Touristen

  • Touren in einem rumpelnden, lauten Fahrzeug.
  • Teuer: 30 Euro für 30 Minuten für eine Tour mit einem unqualifizierten Guide, der Orte kurz und oberflächlich beschreibt.
  • Einschränkungen, wie bei allen schon erwähnten Fahrzeugen und Geräten.

Vorschläge

  • Lissabon soll zu Fuß erkundet werden, denn nur so erreicht man die schönsten Ecken und interessantesten Plätze.
  • Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollten leise und umweltschonende Elektro-Tuk-Tuks zur Verfügung stehen.
  • Geben Sie Fahrern, die einen ruhigen und sicheren Eindruck machen, den Vorzug gegenüber anderen, die nur Touristen abzocken wollen.
mas tourism
mass tourism

Große Gruppen

Gruppen über 20 Personen (Tagesausflüge von Kreuzfahrttouristen, „Free Walking Tours“, …) stellen die Stadt mit ihren engen Gassen vor große Herausforderungen.

Ärgernisse für Einwohner

  • Große Gruppen behindern das Leben der Einwohner und deren tägliche Routine, in dem sie fortlaufend Wege blockieren und während vielen Stops ihrem Tourguide zuhören.
  • Aufgrund der Gruppengröße kommt es gezwungenermaßen zu Lärmbelästigungen, da große Massen laut sind und die Tourguides ihre Stimme erheben müssen, um gehört zu werden (da keine Kopfhörer verwendet werden).

Unannehmlichkeiten für Touristen

  • Gruppenreisen sind das ultimative Gegenteil eines Abenteuers und verwehren Touristen jegliche Anpassung an persönliche Geschmäcker, da sie nur wie Herdentiere durch die Stadt getrieben werden.

Vorschläge

  • Bevorzugen Sie Individualreisen oder kleine Gruppen.
  • Bevorzugen Sie Angebote und Aktivitäten für kleine Gruppen.
cruise ship
cruise ship

Kreuzfahrtschiffe

Der Höhepunkt des Kapitalismus; Tausende lassen ihre Kreditkarten an der Rezeption dieses schwimmenden Ungeheuers. Dieses spuckt seine Passagiere für wenige Stunden in verschiedenen Städten in verschiedenen Ländern aus. Massentourismus auf seinem Zenit mit hohen Preisen für mittelmäßigen Service.

Ärgernisse für Einwohner

  • Diese schwimmenden Kolosse ankern vor dem Stadtviertel Alfama mitten im Herzen der Stadt und sind ein Affront gegen 2000 Jahre an Seefahrergeschichte.
  • Luftverschmutzung: Kreuzfahrtschiffe verursachen ein hohes Maß an Verschmutzung, wenn sie im Hafen anlegen, da sie Schwefeloxide, Kohlendioxyd und andere feine Stoffe ausstoßen.
  • Die laufenden Motoren und die hallende Begrüßungsmusik verursachen Lärm.
  • Lokale Betriebe profitieren nicht von den Tagesbesuchern, da die Reedereien alle Services im Voraus verhandelt haben und Provisionen einstreifen.
  • Kreuzfahrtschiffe verursachen den bereits erwähnten Massentourismus, der Lissabon nicht gefällt.

Vorschläge

  • Bevorzugen Sie Individualreisen oder Reisen in kleinen Gruppen.
  • Bevorzugen Sie personalisierte Reisen auf kleinen Schiffen.
mass media
mass media

Tipps aus Massenmedien

Die plötzliche Popularität Lissabons hat Platz für unzählige Blogs und Reiseführer geschaffen, die von Experten stammen, die im besten Fall eine Woche in der Stadt waren und nun eine Stadt anpreisen, die sie gar nicht wirklich kennen. Für eine Provision werden womöglich dubiose Läden beworben.

Ärgernisse für alle

  • Die Ratschläge werden von Millionen Menschen angenommen und diese pilgern in der Folge zu denselben Orten. Ein Beispiel ist der Turm Torre de Belém. Er wird in allen Reiseführern beworben, doch niemand aus Lissabon würde einen Besuch empfehlen, gibt es innen doch nichts Spannendes zu sehen und die schmale Treppe sorgt unentwegt für Stau.
  • Die „guten Plätze“ sind für gewöhnlich anfangs interessant, doch sobald zig Besucher hinströmen, verliert das Erlebnis an Qualität und die Preise steigen unweigerlich an. Die Seele des Ortes geht verloren und genauso verschwinden die Einheimischen, denn diese meiden Touristenströme.

Vorschläge

  • Vertrauen Sie nicht allen Blogs und Reiseführern: Sie werden schnell realisieren, welche Orte einen Besuch wert sind und welche nicht. Eine Stadt entdecken heißt nicht nur Listen abhaken, sondern Erfahrungen sammeln, indem Sie Ihrem Instinkt und Ihren Interessen folgen.
  • Ein bisschen Hausverstand und ein wenig Planung reichen völlig, um in Lissabon „gute Plätze“ zu finden.
  • Spontanität und ein bisschen Risiko lohnen sich und sind die Quintessenz des Reisens. Planen Sie nicht zu viel, das erspart Stress und Enttäuschungen.
mass tourism
mass tourism

Touristenlokale

Im touristischen Zentrum haben sich mittlerweile unzählige Betriebe etabliert, die nur auf Touristen ausgerichtet sind (Fado-Lokale, Souvenirshops) und so gar nichts typisch Portugiesisches an sich haben.

Ärgernisse für Einwohner

  • Schleichende Verdrängung kleiner portugiesischer Läden, die den Charme und die Authentizität der Altstadtviertel ausmachten.
  • Preisanstieg von Waren und Dienstleistungen.

Unannehmlichkeiten für Touristen

  • Das Preis-Leistungsverhältnis sinkt kontinuierlich (bei Essen, Fado, Souvenirs, …) verglichen mit ursprünglichen, lokalen Betrieben.
  • Wenig authentisch: Sie sind ein Tourist unter anderen Touristen, oft in gestellten Szenen oder präparierten Läden.

Vorschläge

  • Kaufen Sie außerhalb der Touristenzentren (Baixa, Alfama) ein. Lissabon hat viele tolle Viertel, oft nur wenige Meter entfernt.
  • Meiden Sie Orte, die deutlich auf Touristen ausgerichtet sind: mehrsprachige Speisekarten, seelenloses Design, Kellner, die Sie auf der Straße anwerben wollen, etc. Suchen Sie Plätze, wo Portugiesisch gesprochen wird, auch wenn sie die Menükarte nicht verstehen, erleben Sie Portugal.
mass tourism
mass tourism

Primitivität

Urlaub ist die Zeit des Entspannens, in großen Gruppen fallen jedoch oft alle Hemmungen. Da kommt es leider zu unangebrachtem Benehmen, das auch im eigenen Land nicht erwünscht wäre.

Ärgernisse für Einwohner

  • Das Privatleben wird nicht respektiert, indem Touristen ohne zu fragen Fotos schießen, Wege blockieren, herumschreien, Müll in den Straßen verursachen, …
  • Entgleisungen aller Art: Besäufnisse, Junggesellenabschiede, wilde Partys in gemieteten Apartments, Grölen in den Straßen oder Go-cars, Tuk-Tuks, …
  • Geiz: weit verbreitet im Low-Cost-Tourismus – Touristen versuchen Preise zu drücken, da in Portugal alles günstig sein müsse.

Vorschläge

  • Angemessenes Verhalten, als wäre man in seinem eigenen Ort/Stadt.
  • Diskretion – Touristen sollen sich an eine Stadt anpassen, nicht umgekehrt.
  • Verreisen Sie nicht, wenn Sie kein Geld ausgeben wollen, um etwas zu sehen, zu trinken, zu essen und etwas zu erleben.